Der Hagelfeiertag


Ein verheerendes Unwetter

 

Der Hagelfeiertag 27. Juni ist heute wohl vielen Bewohnern unserer Heimat nicht mehr bekannt, der anläßlich eines verheerenden Unwetters im Jahre 1767 bis noch vor einigen Jahren in den betroffenen Orten gefeiert wurde.

Zu jener Zeit wurden solche Unwetter als Strafe Gottes angesehen. Hier soll daran erinnert werden, welche Bedeutung der Hagelfeiertag in unserer Heimat einmal besessen hat.

Am 27. Juni 1767, dem Siebenschläfertag, wurde der westliche und südwestliche Vogelsbergrand an einem Samstagnachmittag von einem verheerenden Unwetter heimgesucht. Schwere Gewitterwolken zogen von Gonterskirchen über Ulfa, Michelnau, Wallernhausen, Lißberg und Ortenberg zum Vogelsberg. Ein mächtiger Sturm tobte und der Himmel verfinsterte sich stundenlang.

Gegen halb zwei war das Unwetter über Hirzenhain, Merkenfritz und Gedern. Auf dieser Linie muß es mit einer Wetterfront aus dem Vogelsberg zusammengetroffen sein. Es bildeten sich gewaltige Windhosen, die in kurzer Zeit ganze Wälder niederlegten. Dann ging ein furchtbarer Hagel nieder, der die gesamte Jahresarbeit der Landwirte mit einem Schlag vernichtete.

Die Ernten der Gemarkungen Gonterskirchen, Ranstadt, Ober-Lais, Merkenfritz, Wenings, Usenborn, Gedern, Ober-, Mittel- und Nieder-Seemen, Kirchbracht, Illnhausen, Mauswinkel, Ober- und Unterreichenbach, Fischborn, Birstein und vieler anderer Orte unserer Heimat waren völlig zerstört. In manchen Dörfern war das Unwetter so schlimm, daß es Häuser und Stallungen niederwarf.

Die Leute aus Usenborn wollten ihr Vieh vom Bettenberg heimholen, konnten aber nicht durch das Wasser ziehen. Der reißende Bleichenbach führte zu großen Schäden, so auch am Schwarzen Born. Im Gederner Schloß wurden die Fenster durch taubeneigroße Hagelkörner zerstört, in Ober-Seemen wurde der renovierte Kirchturm mit drei Glocken vom Dach gerissen.

Vermutlich vereinbarten die Landesherren von Ysenburg, Stolberg und Solms die Einstzung des Hagelfeiertages. Dieser wurde als Buß-, Bet- und Fasttag mit Vor- und Nachmittagsgottesdienst begangen. Heute wird wohl nur noch vereinzelt in Gottesdiensten vor oder nach dem Siebenschläfertag des Hagelfeiertages gedacht, so in der evangelisch-lutherischen St. Simon-Judae-Kirche in Usenborn, aus deren Bericht dieser Text zusammengestellt wurde.

Publiziert am: Dienstag, 10. Februar 2009 (5430 mal gelesen)
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