Wir müssen zusammen halten und uns gemeinsam wehren!
Ein offener Brief an meine Usenborner Mitbürgerinnen und Mitbürger.

In den vergangenen Wochen konnten wir in den Nachrichten immer wieder aus Nordhessen vernehmen, dass das Regierungspräsidium Kassel im Regionalen Raumordnungsplan Nordhessen Vorranggebiete für Windenergie ausgewiesen hat, was viele Dörfer im ländlichen Raum vor erhebliche Probleme stellt. Durch den Bau von sehr vielen Windkraftanlagen wird in großem Maße Natur zerstört, insbesondere intakte Waldgebiete werden vernichtet und unser ländlicher Lebensraum wird völlig verändert. Das, was sich in Norhessen abspielt, steht uns im kommenden Jahr auch bevor. Auch hier bei uns sollen große Areale für den Bau von weiteren und sehr vielen Windkraftanlagen ausgewiesen werden und es betrifft nicht die Gebiete, wo derzeit schon Windkraftanlagen stehen. Große Waldgebiete sollen für die sogenannte Energiewende geopfert werden, – und das ganz besonders hier um Usenborn und den benachbarten Ortschaften.

Trägt zur Lebensqualität der städtischen Bevölkerung die besondere Infrastruktur bei, so ist es für die Bevölkerung des ländlichen Raumes die vorhandene und weitgehend intakte Natur. Dazu gehören die größeren zusammenhängenden Waldgebiete mit ihrer Wohlfahrtswirkung hinsichtlich der Ökologie, der Wasserwirtschaft, der Erholung und des subjektiv empfundenen Wohlbefindens der Menschen, die hier leben. Unser ländlicher Raum ist ein von wenigen Chancen geprägtes Lebensumfeld in einem noch sehr intakten Naturraum. Dieses Lebensumfeld soll uns nun geraubt werden, indem große Flächen als Vorranggebiete für Windenergie ausgewiesen werden. Der Bau von sehr vielen Windkraftanlagen um unser Dorf würde unsere Landschaft völlig verändern und unser durch die Natur geprägtes Lebesumfeld teilweise zerstören. Wollen wir das zulassen? Bei den Planungen werden demokratische Prinzipien mit Füßen getreten. Von einer Bürgerbeteiligung an raumordnungspolitischen Prozessen kann keine Rede sein. Die betroffenen Bürger werden gar nicht gefragt. Das sollten wir uns nicht gefallen lassen und uns frühzeitig wehren! Im kommenden Jahr soll der Regione Raumordnungsplan Südhessen verabschiedet werden mit all diesen Nachteilen für uns, ohne dass wir jemals gefragt wurden, ob wir das überhaupt wollen.

Was ist das für ein ideologisch begründeter Irrsinn, riesige Waldflächen für den Bau von Windkraftanlagen zu zerstören? Eine Naturzerstörung in sehr großem Ausmaß, die uns nachweislich aber nicht den gewünschten Erfolg zur Energiewende bringen kann, – das ist wissenschaftlich längst nachgewiesen. Hier wird einzig und allein eine Lobby bedient, die sich auf Kosten von Natur und Steuerzahler bzw. Stromkunden bereichert.

Wir haben auch andere Alternativen, unseren Beitrag für die Energiewende zu leisten, und zwar im Sinne von Naturerhaltung, ohne dass unser Wald platt gemacht und unsere Landschaft verschandelt wird, nur weil wenige Personen und Firmen auf Profit aus sind und eine Partei ihre ideologisch begründete Planwirtschaft durchsetzen will und die meisten anderen Parteien diesen Irrsinn mittragen.

Ist es nicht bemerkenswert, dass alle ausgewiesenen Vorranggebiete für Windkraftanlagen Waldflächen betreffen, die dem Land Hessen gehören oder fürstliches Privateigentum sind? Das sind Gebiete mit möglichst wenig Konfliktpotential, wie man in den Begründungen für deren Ausweisung lesen kann. Und mit diesen Grundstücken kann man viel Geld verdienen. Dass sich die Windräder, die man darauf bauen möchte, energiewirtschaftlich gar nicht lohnen, weil der vorhandene Wind nicht ausreichend ist, spielt dabei keine Rolle, denn die Einnahmen wären für 25 Jahre auf Kosten des Steuerzahlers und der Stromkunden gesichert. Und die Politik hätte statistisch gesehen ihren Beitrag zur Energiewende geleistet, denn zwei Prozent der Landfläche Hessens soll ja auf Wunsch der Grünen für den Bau von Windkraftanlagen ausgewiesen weren. Das klingt erst einmal nach wenig, aber diese zwei Prozent konzentrieren sich auf den ländlichen Raum, in dem wenig Wählerpotential vorhanden ist, also die Bevölkerungsdichte gering ist, wie z.B. in unserer Vogelsbergregion. Im Taunus scheint es keinen oder viel zu wenig Wind zu geben, denn da findet man so gut wie keine Windkraftanlagen. Komisch, wir leben doch in der Westwindzone. Oder hat das doch andere Gründe? Wohnen dort vielleicht Bürger mit mehr politischem Einfluss?

Wir Betroffenen sollten endlich wach werden und uns nicht alles gefallen lassen. Unser Heimatraum leistet schon genug, insbesondere auch für die städtische Bevölkerung im Ballungsraum Rhein-Main, sei es durch die Versorgung dieses Raumes mit Trinkwasser oder auch als Naherholungsgebiet. Unser Heimatraum soll neben den Vorrangfunktionen für Wasserwitschaft, Forstwirtschaft und Naherholung nun auch noch die Vorrangfunktion für Windenergiegewinnung übernehmen und im Vogelsberg stehen bereits die meisten Windenergieanlagen Hessens. Abgesehen davon würde die Ausweisung von Vorrangflächen für Windkraftanlagen die anderen bereits ausgewiesenen Vorrangfunktion in erheblichem Maße einschränken. Wir müssen selbst dafür sorgen, dass unser Heimatraum nicht überfordert und in seiner Struktur zu sehr verändert wird, sonst könnte er sehr bald seine Attraktivität für uns als Lebensraum verloren haben.

Wie konnten wir schon in Schillers Wilhelm Tell als Kinder auch hier in der Volksschule lesen: „Gemeinsam werden auch die Schwachen mächtig.“ Also: Wehren wir uns gemeinsam gegen die Zerstörung unseres Heimatraumes.

Alfred Franz
Am langen Strich 10
63683 Ortenberg-Usenborn

Die anliegende Karte stellt den derzeitigen Planungsstand zum Regionalen Raumordnungsplan Südhessen dar, der im kommenden Jahr verabschiedet werden soll. Es handelt sich hier um die Originalkarte. Hier ein Ausschnitt, der den Bereich Ortenberg betrifft. Ich habe die als Vorranggebiete für Winkraftanlagen ausgewiesenen Gebiete gelb umrandet und die geplanten fünf Windkraftanlagen im Betten eingezeichnet (rote Sternchen), die derzeit in der Genehmigungsphase sind. Diese sind außerhalb der ausgewiesenen Vorranggebiete geplant. Die meisten schon vorhandenen Windkraftanlagen stehen außerhalb der neu ausgewiesenen Vorranggebiete, – nach dem Motto „was man hat, das hat man“.